Fledermausgauben Wissenswertes
Die Traufe von Fledermausgauben – Ästhetik, Technik und typische Fehler
Das sensible Detail der Dachkunst
Ein Beitrag von Steffen Paul, PauLux-Fledermausgauben
Kein anderes Bauteil am Dach fordert mehr Erfahrung und handwerkliche Präzision als die Traufe einer Fledermausgaube. In der Praxis entwickeln Dachdecker hier zahllose individuelle Lösungsansätze – von funktional bis vollkommen experimentell. Leider oft zum Leidwesen der Bauherren. Gerade weil die Traufe ein direkt sichtbares und prägendes Element der Fledermausgaube ist, wird sie zur ästhetischen Visitenkarte – oder zum gestalterischen Fehltritt.
Der Innenausbau – häufig mit Gipskartonplatten oder Holz ausgeführt – ist ein Bereich, in dem Fehler nicht nur optisch, sondern auch funktional und bauphysikalisch schwerwiegende Folgen haben können. Die ästhetische Wirkung der Gaube entfaltet sich nämlich erst dann vollständig, wenn auch im Inneren alles präzise und durchdacht umgesetzt wurde.
Was ist die Traufe bei einer Fledermausgaube?
Die Traufe bezeichnet die unterste Ziegelreihe – bei Fledermausgauben meist in Bibereindeckung ausgeführt. Sie bildet die Tropfkante, an der das Regenwasser vom Gaubendach aufs Hauptdach abläuft. Bei höheren Gauben ist es sinnvoll, diese Kante mit einer wasserführenden Dachrinne zu versehen. Die Ausführung dieses Bereichs hat großen Einfluss auf Optik, Funktionalität und Haltbarkeit der Fledermausgaube.
Übliche und empfohlene Varianten der Traufausbildung
1. Doppeldeckung oder Kronendeckung?
Fledermausgauben leben von ihrer eleganten, geschwungenen Form. Um diesen Eindruck nicht zu stören, müssen auch die Ziegel sorgfältig ausgerichtet und eingebunden werden. In der Praxis kommen zwei Deckarten zur Anwendung:
• Kronendeckung: Bietet durch die überlappende Anordnung der Ziegelreihen bereits von sich aus eine dichte Deckung – ideal für die Front der Gaube.
• Doppeldeckung: Hier wird ein Traufbieber benötigt, um sowohl technische Dichtigkeit als auch eine saubere Optik zu gewährleisten.
Alternativ wird oft ein Blechstreifen unter die erste Ziegelreihe geschoben. Doch das Ergebnis ist häufig unbefriedigend: Eine ungleichmäßige Traufkante, die markante Schatten wirft und den Gesamteindruck der Gaube beeinträchtigt.
Empfehlung
Kronendeckung oder Doppeldeckung mit sauber eingesetzten Traufbibern – Alternativ und Notlösung Blechimprovisation.
Lattung im Gaubenbereich – Gleichmäßig oder Variabel?
Hier scheiden sich die Geister, zwei Varianten sind üblich:
Option 1: Gleichmäßige Lattenaufteilung vom First bis zur Gaube
Das gesamte Dach wird durchgängig mit gleichmäßigem
Lattenabstand versehen. Auf der Gaubenblende entstehen dadurch oft
auslaufende Spitzgebinde, bei denen meist vier Biberschwänze
übereinander sichtbar auslaufen. Das wirkt unruhig und
unprofessionell. Leider wird diese Variante selbst an renommierten
Dachdecker-Schulen gelehrt – entgegen der Wünsche vieler
Bauherren.
Option 2: Variabler Lattenabstand
Die Traglattung wird im Bereich der Fledermausgaube enger gesetzt, sodass sich alle
Ziegelreihen harmonisch fortsetzen. Das Ergebnis: Eine visuell perfekte Einbindung der
Gaube in das Hauptdach. Diese Ausführung ist technisch anspruchsvoll, aber in ihrer
Wirkung unschlagbar – ein echtes Meisterstück im Dachdeckerhandwerk.
Fazit: Nur die angepasste Lattenführung macht der Form der Fledermausgaube wirklich Ehre.
Fehlerquellen bei der Ziegelausrichtung
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das gleichmäßige Verdrehen der Biberschwänze, um die
Traufkante „bündiger“ wirken zu lassen. Diese Methode ist jedoch falsch. Ziegel müssen in Dachflucht verlegt werden, sonst entstehen über die Gaubenfläche hinweg unsaubere, gezackte Linien.
Eine natürliche „Abtreppung“ ist Fachlich Richtig und Normal – jede Fledermausgaube zeigt diese im Biberbereich, bei guter Ausführung ist sie jedoch ästhetisch ansprechend.
Der Versuch, dies durch Verdrehen auszugleichen, ist ein typisches Anzeichen für mangelnde Erfahrung und führt unweigerlich zu einem ästhetischen Bruch in der Dachlandschaft.
Dauerhafte Dichtigkeit – nicht nur ein Detail
Gerade bei flachen Neigungen oder geringem Ziegelüberstand kann Schlagregen an der Unterseite der Traufbiber entlanglaufen und an der Blende abfließen. Über die Jahre entstehen so schwarze Streifen auf lackierten Flächen oder weitere Feuchteschäden – ein unschönes
Zeichen für falsche und unzureichende Traufausführung.
Der Versuch, dies durch Verdrehen auszugleichen, ist ein typisches Anzeichen für mangelnde Erfahrung und führt unweigerlich zu einem ästhetischen Bruch in der Dachlandschaft.
Die richtige Befestigung – Sicherheit bei Sturm
Ein oft übersehener Punkt ist die Befestigung der Traufbiber. Da sie am unteren Gaubenrand liegen, können sie vom Wind leicht angehoben werden.
Die Lösung: Jeder Traufbiber muss verschraubt werden – eine einfache, aber wirksame Maßnahme. Einzelne darüberliegende Ziegel können lose verlegt bleiben, um Reparaturen oder den Austausch einzelner Steine zu ermöglichen. So bleibt die Gaube auch bei Sturm dauerhaft sicher und wartungsfreundlich.
Fazit: Detailwissen für Funktionalität und langlebige Eleganz
Die Traufe der Fledermausgaube ist viel mehr als ein technisches Bauteil – sie ist ein zentrales Gestaltungselement. Ihre sorgfältige Planung und handwerklich exakte Ausführung entscheidet über das Erscheinungsbild der gesamten Dachfläche.
Wer hier auf schnelle Lösungen oder halbherzig erlernte Methoden zurückgreift, riskiert funktionale Mängel und optische Enttäuschung.
Stattdessen gilt:
- Informiere dich umfassend.
- Stelle Fragen – auch vermeintlich einfache.
- Vertraue auf Erfahrung und echte Fachkenntnis.